Nordlandsaga Tag 12

Nur die Fackeln leisteten ihnen Gesellschaft. Katarina setzte sich schwer auf den Boden und vergrub das Gesicht in den Händen. Verdammte Scheiße. Was war passiert?

"Verdammter Hurensohn.", knurrte Hector. "Jord, du Hurenbock. Du elender Verräter. Du dreckiges Schwein!"

Jord ging nicht darauf ein, lehnte an der Wand seiner Zelle, die Augen halb geschlossen. Einige Spritzer Blut klebten ihm im Gesicht. Katarina schluckte und rieb sich die Stirn. Alle schwiegen, nur Hector beschimpfte Jord wild und hämmerte wie irre gegen das Metall.

Katarina ignorierte ihn, zog die Beine an und vergrub das Gesicht in ihren Armen. Wie hatte es nur so weit kommen können? Jord war doch immer treu gewesen. Was passierte jetzt? Sie würden Jord als Verräter hinrichten und sie und ihre Waffenbrüder gleich mit. Das war nicht gerecht. Sie hatten davon nichts gewusst.

Ob es eine Anhörung gab? Und was, wenn sie herausfänden, dass sie eine Frau war? Irgendwann war es nicht mehr zu übersehen. Was würden die Männer sagen, wenn der vermeintliche Vensel plötzlich Brüste hatte? Würde ihre Strafe noch einmal erhöht werden?

Verrat am Jarl und an den Traditionen. Verrat an allen Männern. Und keine Frau würde Katarina verteidigen.

"Scheiße.", flüsterte sie in normaler Tonlage. Tränen traten ihr in die Augen, sie versuchte krampfhaft nicht zu weinen. Ihr gequältes Geräusch wurde von Hectors Wutschreie übertönt. Es musste doch einen Weg geben.

Jemand berührte ihre Schulter. Es war Sten, der in der Zelle rechts von ihr saß. Er sagte nichts, sondern setzte sich einfach mit den Rücken zu ihr. Natürlich waren alle besorgt um sie, sie war ja die Jüngste hier. Jeder Mann war mindestens zehn Jahre älter als sie.

"Jetzt beruhig dich, Hector.", brummte Grolf. "Ich habe keine Lust, dein Gebrüll anzuhören."

"Dieser Verräter hat uns alle dem Tode ausgeliefert!", fuhr Hector Grolf an. "Ich will ihn wenigstens beleidigen, wenn ich ihm nicht den Hals umdrehen kann!"

"Und damit jedem hier auf den Sack gehen?", fragte Jord lachend. "Ihr Spinner werdet hier verrecken."

"Und warum?", fragte Grolf. "Warum hast du das getan? Warum müssen wir mit hineingezogen werden?"

"Je mehr blinde Männer hier unten sterben, umso besser.", gab er als Antwort.

"Du verdammter Hurenbock!", brüllte Hector wieder, warf sich gegen die Gitterstäbe, die leise knirschten, aber nicht nachgaben.

"Jetzt lass es sein.", brummte Sjard. "Wir sind eh alle tot."

Katarina lief es eiskalt den Rücken runter. Tot. Sie waren tot. Das war nicht, worauf sie gehofft hatte.

 "Brijnard wird uns helfen.", sagte sie leise. "Er wird doch sehen, dass wir unschuldig sind."

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