Nordlandsaga Tag 15

Der Verräter trat aus seiner Zelle und folgte dem Fremdling mit höchstmöglichen Abstand zu den Zellen. Hector griff durch die Stangen und drückte sich mit aller Kraft gegen das Metall, aber er bekam Jord nicht zu packen.

"Du mieses Schwein.", keuchte Hector, drückte sich gegen das Metall, das nicht ein Stück nachgab. "Du wirst nie auf Belas Rücken reiten."

Jord ignorierte ihn. Katarina starrte zur Tür, war ebenfalls fassungslos.

"Und du hast uns einfach in den Abgrund gezerrt.", sagte Grolf mit einem abgrundtiefen Vorwurf in der Stimme. "Ich dachte, wir wären deine Brüder, Jord. Ich hätte mein Leben für dich geopfert. Jeder hier hätte das..."

"Euer Pech.", sagte der Mann, schaute Grolf an, bevor er verschwand. Keine Reue in seinem Blick, kein Bedauern. Grolf ließ die Arme sinken und schwieg. Bis auf das Knurren von Hector waren alle ruhig, alle fassungslos und auch ratlos.

Der glänzende Mann blieb an der Treppe stehen und stellte sich mit dem Rücken zur Wand. Als würde er warten.

"Jetzt werden wir auch noch von einem Goldjungen bewacht.", murmelte Hector, sein Gesicht rotfleckig vor Wut, was durch seinen blonden Bart sogar noch mehr hervorstach.

Die Wache drehte nur kurz den Blick zu ihm. "Gähnende Echse. Nicht mal beißen kannst du."

"Oh, komm her, dann zeige ich dir, wie ich beißen kann.", säuselte Hector bedrohlich leise. "Ich wette, du würdest dich nicht trauen, weil du keine Eier hast."

Die Wache lachte nur einmal.

"Lass das.", sagte Katarina zu ihrem Freund. "Du hast keine Waffe bei dir."

"Nein, aber er.", grinste Hector siegessicher. Oder lebensmüde.

"Genau. Und damit wird er dich töten!", fuhr sie ihn an. "Setz dich hin und halt die Klappe!"

Damit schien sie die Aufmerksamkeit des Wachmanns zu erregen. Er trat vor ihre Zelle und blickte rein.

"Ein junger Kläffer. Du klingst wie eine Frau."

"Lass ihn", mischte sich Sten ein, "er ist jung. Jeder klang wie eine Frau in seinem Alter."

Katarina winkelte die Beine an, damit man ihre Brust nicht sah. Der Wachmann drehte den Kopf zu Sten.

"Wie romantisch.", hauchte er spöttisch. "Du stehst für den kleinen Jungen ein?"

"Wieso? Magst du kleine Jungs?", grinste Sten den Ostmann spöttisch an.

"Scheinbar nicht so sehr wie du, Arschlecker.", gab der Wachmann zurück.

"Oh, also hast du immer alte haarige Männer abgeleckt?", lachte Grolf, schlug sich vor gespielter Heiterkeit auf die Brust.

 "Schnauze, alter Sack.", fuhr der Fremdling ihn an und schlug gegen das Gitter.

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