Nordlandsaga Tag 5

Seine blonden, schulterlangen Haare trug er zu einem Zopf gebunden. Er meckerte zu oft im Sommer, wenn die Strähnen mal wieder auf seiner Stirn klebten. Katarina hatte oft gesagt, dass sie ihm den Zopf ohne Probleme abschneiden konnte. Nicht selten kassierte sie dafür einen unsanften Schlag auf den Arm.

"Bursche." Katarina schnaufte. "Ich bin kein Kind mehr."

Hector lachte einmal schallend. "Deine Haut sieht aus wie ein Säuglingsarsch."

"An Orten, die ich dir bestimmt nicht zeige, alter Mann.", gab Katarina schlagfertiger zurück. "Wirst du nicht langsam grau überall?"

Mit der Faust schlug Hector gegen ihren Oberarm. "Hast du eine Ahnung, Frischling!", lachte er wieder lauthals. "Bekomm du einen Bart, dann zeige ich dir, wo ich grau werde!"

Katarina hatte die letzten Jahre öfters Männer nackt gesehen, aber nie genau hingeschaut oder gestarrt. Der Gedanke war ihr unangenehm.

"Ach, muss nicht.", wehrte Katarina ab. "Ich muss deinen Wurm nicht sehen, um zu wissen, dass seine Schuppen langsam grau werden."

"Wurm?", fragte Hector grimmig. "Pass lieber auf, was du sagst, Frischling."

Katarina winkte ab. Das Gespräch ging ihr zu weit. Auch Hector war zufrieden, dass es ruhig war. Gesprächig war er nie.

Katarina streckte die Beine aus und gähnte. "Wir haben die beste Wache bekommen.", stellte sie fest.

"Die wir nicht immer haben werden." Hector saß wie ein Stein neben ihr. Er bewegte sich kaum, bis auf den Kopf. "Gewöhn dich besser nicht dran."

"Warum nicht? Wenn wir in Brewm ankommen, geht sowieso wieder jeder seine Wege." Sie schnaufte. "Denkst du, dass wir so viele sind wegen den Sonnenmännern?"

"Frag nicht so dumm, Frischling.", bekam Katarina nur als Antwort. Das sagte Hector immer, wenn er nicht mehr reden oder Fragen beantworten wollte. Aber meistens, weil Katarina Fragen stellte, deren Antworten allgemein bekannt waren. Oder offensichtlich.

Also, das glaubte Katarina zumindest. Trotzdem fühlte sie sich bestätigt in ihren Gedanken, nur verstand sie nicht, warum im Herbst eine ganze Gruppe geschickt wurde, von denen auch nur einer die Nachricht kannte. Außerdem war es doch unwahrscheinlich, einen Ostmann anzutreffen.

"Warum haben wir keine Bergechsen bekommen?", fragte Katarina nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal. In dem Moment traf sie etwas hart am Hinterkopf. Ihr Kopf ruckte nach vorne und es drehte sich einen Augenblick alles. Hector hatte ihr eine auf den Hinterkopf verpasst.

"Was soll denn das?", grummelte sie, rieb sich die schmerzende Stelle, musste mehrfach blinzeln, um nicht zur Seite zu kippen.

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