Nordlandsaga Tag 6

"Ich sagte, dass du nicht so dumme Fragen stellen sollst!", rief er aus.

"Aber ist doch wahr." Katarina ließ die Hand sinken. "Und hör auf mich zu schlagen!"

Hector lachte los. "Du wehrst dich wenigstens nicht."

"Wozu auch?" Katarina griff an ihre Seite, nahm ihren Wasserschlauch und genehmigte sich zwei kleine Schlucke, um ihre Kehle zu befeuchten.

"Damit du nicht immer einen drüber kriegst?", fragte Hector. "Wer es mit sich machen lässt wie ein Mädchen." Er zuckte mit den Achseln.

"Irgendwann, wenn du es nicht erwartest...", drohte ihm Katarina scherzhaft, verschloss ihren Schlauch wieder.

"Na! Auf den Tag bin ich gespannt!" Wieder schlug er ihr gegen den Arm. Nicht so fest, eher brüderlich.

"Kannst du. Der Tag wird früher kommen als du vielleicht denken magst." Katarina ließ den Blick wandern. Einige Bäume krallten sich ihn den Boden, versuchten so viel Nährstoffe und Wasser zu sammeln, wie sie für die kommenden zwölf Wintermonate brauchten. Blätter verfärbten sich, tanzten im leichten Wind. Beinahe war der Abend sogar friedlich.

Sie waren zu weit weg vom Edelwald, um viele Tiere sehen zu können. Und zu nah an Städten, um von den wilden Nachtwesen angegriffen zu werden. Außerdem griffen sie keine Gruppen an. Nur einzelne Wanderer, die todesmutig genug waren, sich nachts auf die Straße zu begeben. Daher waren die meisten Straßen der Städte nachts auch von Fackeln und in den Adelsvierteln von kostspieligen Laternen aus Metall und Glas erleuchtet. Nachtwesen mochten die Nacht mehr, das sagte ihr Name. Sie mochten Licht nicht. Sie konnten sich zwar im Licht bewegen, aber sie vermieden es. Zumindest nach dem, was Katarina gehört hatte. Noch war sie keinem Nachtwesen begegnet und würde sie hoffentlich auch nie.

"Was machst du nach diesem Auftrag?", fragte sie Hector, drehte den Kopf zu ihrem Waffenbruder.

"Weitermachen.", antwortete er kurz angebunden. Mit Hector sprechen war wie gegen eine Mauer zu laufen: sinnlos.

Sie ließ es sein und saß ihre Wache ab. Keiner von ihnen bemerkte irgendetwas, weder Ostmänner noch Wild. Hier war einfach gar nichts.

"Wir sind zu weit südlich, um irgendwelchen Gefahren in den Weg zu laufen.", beschwerte sich Katarina leise und winkelte die Beine an, weil ihr kalt wurde.

"Bist du behämmert?", fragte Hector. "Wir sind hier mitten im feindlichen Gebiet."

"Wir sind eine Tagesreise von Luewenstamm entfernt. Wer soll und hier angreifen? Im Herbst?" Die Frau seufzte einmal. "Verdammte Nachricht. Was überbringen wir eigentlich?"

 "Du stellst schon wieder zu viele dumme Fragen." Wieder bekam Katarina keine Antwort. Wahrscheinlich kannte Hector keine Antwort.

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