Nordlandsaga Tag 9

Die Halle sah aus wie ein Schiff, das einfach auf den Kopf gedreht wurde. Dicke Balken bogen sich über die Außenwand und trafen sich am Kiel. Sie standen ein kleines Stück entfernt und sahen beinahe aus wie ein schützender Bogen. Katarina konnte einen viereckigen Kasten aus Stein auf der vom Eingang linken Seite aus erkennen. Der war sicher neu gebaut worden. Ein Strohdach bot Schutz. Was das wohl für ein Teil war? Die Schlafkammern? Im Winter schützten Steine mehr vor der Kälte und hielten länger warm.

Jord stieg die fünf Steinstufen zum doppeltürigen Eingang hoch. Über dem Eingang schlängelte sich ein langes, gliederloses Tier mit einem riesigen Maul. Katarina wusste, dass dies das Wappentier von Luewenstamm war, aber sie hatte es noch nie gesehen. Ob es überhaupt noch existierte?

Rechts und links vom Eingang standen zwei dicke Holzsäulen verziert mit schwungvollen Schnitzereien. Die Säulen trugen ein schmales Dach, das dreieckig über der Tür saß. Wie der graue Steinkasten, passte auch dieses Dach nicht zu dem umgedrehten Schiff. Für die junge Frau fühlten sie sich eher störend an als eine Ergänzung.

Katarina wurde beinahe erschlagen von den Gerüchen und Geräuschen. Feuer brannten, es roch nach gebratenem Fleisch, Unrat, den Hinterlassenschaften von Bergechsen und Klemtas. Händler riefen, winkten, irgendwo hämmerten Schmiede. Die Häuser waren beeindruckend, manche waren verziert worden, andere hatten nur nackte Balken und Wände. Einige der Steinhäuser waren sogar angemalt worden, um sie zu verzieren.

"Ach, Lewi....", brummte Hector neben ihr, den Kopf in die Richtung gedreht, in der Katarina die Taverne vermutete.

Jord schlug die Tür zur Halle auf. Hitze schlug ihnen entgegen. Eine willkommene Abwechslung. Es roch nach Eintopf, Früchten und Fleisch. Katarina konnte nur einen kurzen Blick erhaschen, als sie zwischen ihren Waffenbrüdern in die Halle gedrückt wurde. Der jungen Frau, die sich als Vensel ausgab, knurrte leise der Magen bei dem Geruch. Sie wollte nichts lieber als sich ans Feuer setzen, sich den Bauch vollschlagen, trinken und später lange schlafen.

In der Halle brannte in der Mitte eine lange Feuerstelle. Die Decken waren hoch liefen gebogen zu einer kleinen Spitze zusammen. An den Seiten verliefen Balken, die ebenfalls prunkvoll verziert waren. Ein Tisch stand auf der rechten Seite hinter den Balken, die bis zur Decke verliefen. Links war eine Holzwand zwischen den Balken und versperrte die Sicht zu vier Räumen. Jedenfalls gab es vier Durchbrüche, die mit Fellen und Ledernetzen verhängt waren.

"Jord Aegirson.", rollte eine sonore Stimme durch die Halle, es wurde rasch still. Insgesamt waren, abzüglich der Sklaven, vielleicht zwanzig Männer und Frauen in der Halle.

Der Mann, der wohl Luudolf sein musste, stand von dem schweren Stuhl auf einem Holzpodest auf. Der dunkelblonde Bart war zu einem dicken Zopf am Kinn geflochten. Er hatte bereits tiefe Falten an Augen und Nasen. Der Kopf war kürzer geschoren als Katarinas Haare. Seine hellblauen Augen stierten auf die Gruppe.

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