Nordlandsaga Tag 16

"Du hast wohl einen wunden Punkt bei ihm getroffen, Grolf.", sagte der vermeintliche Vensel grinsend.

"Oder einen, der ihm noch nicht geleckt wurde.", gab der Mann zurück, schaute den in Gold gekleideten Krieger an. "Sehnst du dich etwa danach? Oder warum verschlingst du unseren Vensel so mit den Augen?"

"Ruhe, alter Mann.", grollte die Wache, als Schritte die Treppe runter laut wurden. Der Fremdling sah in Katarinas Zelle.

"Du wirst der Erste sein.", drohte er ihr an. Katarina schluckte. Das war nicht das, was sie sich gewünscht hatte. Oder generell gewollt hätte. Scheiße.

Sten lachte nur einmal. "Natürlich. So wie du unseren Vensel verschlingen willst."

Vermutlich war der Sonnenmann dem tatsächlich nicht abgeneigt. Wenn sie nur wüssten.

In dem Moment trat ein Mann in den Gang. Ein weiterer Sonnenmann. Nur war seine Rüstung noch prunkvoller und glänzte noch heller.

Der Brustpanzer schien aus massivem Gold und war fein gearbeitet. Er trug einen roten Mantel und einen prunkvollen Helm mit Gesichtsvisier, das hochgeklappt war.

Er sprach etwas in seiner Sprache und der Wachmann antwortete. Katarina konnte die Emotionen kaum deuten. Sie klangen immer aggressiv. Der besser gerüstete Mann machte einige Handbewegungen, woraufhin die Wache auf Katarina deutete. Die Frau drückte sich panisch an die Wand, als der neue Mann vor ihre Zelle trat.

"He!", brüllte Hector. "Leg dich lieber mit jemanden in deiner Größe an!"

Die Männer lachten nur, der Soldat klimperte mit dem Schlüssel. Grolf schaute den vermeintlichen Vensel kurz an, dann zog er die Nase hoch und spuckte dem besser gerüsteten Mann einen dicken Klumpen Rotz und Speichel auf die Stiefel. Er zuckte, hob den Fuß leicht an und knurrte. Damit wandte er seinen Blick mit den dunkelbraunen Augen von Katarina und ging langsam zu Grolf.

"Ah, darauf reagierst du? Bin ich dir ein würdiger Gegner?" Grolf klopfte sich auf die Brust, grinste breit. Er schien keine Angst zu haben.

Der Sonnenmann musterte ihn. "Wohl etwas alt.", sagte er sehr gebrochen und deutete seinem Wachmann, dass er die Zelle öffnen sollte. Grolf leckte sich über die Lippen, warf Katarina einen Blick zu. Es war wie ein Abschied. Rechnete er damit, sie nicht mehr wiederzusehen? Die Frau schluckte und musste zusehen, wie sie ihren Freund niederschlugen. Halb bewusstlos schleppten sie Grolf aus der Zelle. Hector war beinahe nicht mehr zu halten. Er brüllte noch Stunden, nachdem Grolf weggebracht wurde.

 

Katarina saß am Ende ihrer Zelle neben dem übelriechenden Eimer und starrte geradeaus. Wollte sich denn jeder für sie opfern? Für eine Verräterin? Eine Frevlerin? Das hatte keiner hier verdient. Männer waren so dumm. So unglaublich dumm. Warum taten sie das? Katarina hätte sich stellen sollen. Grolf sollte nicht ihretwegen sterben.

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