Nordlandsaga Tag 17

Sie rieb sich über den Kopf und seufzte. Beim nächsten Mal durfte sie nicht so feige sein. Solange können die Männer hier leben. Vielleicht würde sie ihnen ein bisschen Zeit verschaffen. Dann könnte Brijnard sie retten.

Brijnard...

Warum kam er nicht? War der Bote so langsam? Katarina machte sich in ihrer Zelle ganz klein, versuchte so weit es ging von dem Eimer wegzubleiben und nicht zu heulen.

Sie atmete leise und lange aus. Sie waren ja noch nicht lange hier. Er musste ja erstmal kommen. Und...scheinbar die Stadt zurückerobern.

"Und das alles wegen dieser dummen Nachricht.", murmelte Sten neben ihr.

"Was denn für eine Nachricht? Die Axt?", fragte Hector zwei Zellen weiter.

"Trottel.", brummte Sten. "Es gab nie eine Nachricht. Vielleicht, dass Jord ein Verräter ist. Keine Ahnung."

"Eine Axt kann auch eine Nachricht sein." Sjard lachte trocken. "Oder ein Pfeil. Jord war diese Nachricht."

"Jord ist nichts, außer der Dreck unter meinen Stiefeln.", gab Hector zurück. Sjard knurrte nur zustimmend.

Katarina hob den Kopf. Das würde bedeuten, irgendwer hatte Jord dazu verleitet, diesen Verrat zu begehen. Oder hatte man ihn gezwungen? War er aus eigenem Antrieb zum Verräter geworden?

Sie konnte sich nicht vorstellen, dass er sich freiwillig dazu entschieden hatte. Jedoch hatte er keine Reue gezeigt. Waren sie ihm wirklich egal?

"Warum sollte Jord sowas tun?", fragte sie ratlos ihre Waffenbrüder.

"Weil er als Kind nicht genug Schläge bekommen hat?" Hector zuckte mit den Schultern. "Warum sonst sollte er Bela verraten wollen?"

"Das hilft mir nicht!", zischte Katarina.

"Keine Ahnung.", brummte Hector zurück. "Ich weiß es einfach nicht."

"Wurde er vielleicht bedroht? Oder hat er eine Familie?", fragte Katarina weiter in die Runde. "Was könnte einen Mann dazu bringen, sich von seinen Freunden abzuwenden?"

"Gewalt." Hector fuhr sich durch die blonden Haare. "Ich weiß nicht, ob Jord eine Familie hatte. Wenn ja, vielleicht Druck von den Ostmännern."

"Oder er hat sich von dem Reichtum blenden lassen.", mutmaßte Sten ruhig.

"Lieber arm sein und bei Bela bleiben.", kam es von Swert, der ansonsten bisher nichts gesagt hatte.

 

"Das sehe ich aber auch so.", stimmte Hector zu. Katarina fühlte sich nicht besser mit den Antworten. Im Gegenteil, denn nun stellte sie sich die Frage, welche Angst Jord gemacht wurde, damit er zustimmte. Wieder senkte sie den Blick. Wenn sie wenigstens frisches Stroh hätte.

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