Nordlandsaga Tag 19

Kapitel II

 

 

 

 

Katarina schreckte zusammen, als irgendetwas klirrend gegen die Stäbe ihrer Zelle krachte. Sie schaute hoch und vor ihr stand wieder ein Ostmann mit einem Knüppel aus Eisen, den er gegen die Stangen geschlagen hatte. Katarina glaubte, dass er das alle paar Stunden tat. Er wollte sie am Schlafen hindern.

Hector knurrte und schlug ebenfalls gegen die Stange. Weitaus weniger kraftvoll, als vor einiger Zeit noch. Sie wusste nicht, ob es Tage, Wochen oder Monate war. Hier unten konnte niemand sagen, ob es Tag oder Nacht war. Und der unregelmäßige Schlaf zerrte an den Kräften.

Die junge Frau drehte den Kopf zu Sten, der aufstand und anfing durch seine Zelle zu gehen.

"Wann kriegen wir unsere nächste Mahlzeit?", fragte er den Ostmann vor seiner Zellentür. "Und Decken?"

Der Ostmann schaute ihn nur an, schlug wieder mit dem eisernen Prügel auf die Stangen. Die ganze Zelle schien zu vibrieren, das Geräusch schmerzte in den Ohren. Katarina zuckte wieder. Sie wollte schreien, endlich hier raus. Der Schmerz drückte auf ihren ganzen Körper und drückte ihr die Tränen in die Augen. Zitternd atmete sie aus und entspannte sich einen Moment wieder.

Sten gab ein unerquickliches Geräusch von sich. Die Wache lachte nur, ihr seltsam hoher Helm mit dem Stoff drumherum wackelte dabei. Sten ging näher zur Zellentür.

"Verdammt. Verstehst du mich nicht?" Er fing an seltsame Geräusche zu machen, die wohl die Sprache der Sonnenmänner nachmachen sollte. Wieder krachte der Knüppel gegen die Stangen. Sogar ihre Zähne vibrierten und schmerzten.

In dem Moment fing Sjard an zu brüllen wie ein wildes Tier. Der Wachmann schien einmal zu oft gegen die Stange geschlagen zu haben.

Katarina drehte den Kopf zu ihm, konnte durch die vielen Zellen kaum etwas erkennen. Hector eilte zu ihm. "Beruhig dich.", meinte er. "Sjard!"

Aber der Mann hörte nicht. Katarina hörte etwas dumpfes aufprallen. Einmal, zweimal. Dabei schrie er noch immer und Hector versuchte verzweifelt ihn zu beruhigen.

Panik brach in der jungen Frau aus. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, versuchte etwas zu sehen. "Sjard!", rief nun auch Sten. "Bruder!"

Wieder knallte etwas dumpf, sie glaubte sogar etwas Feuchtes klatschen zu hören.

"Hör auf!", rief Hector jetzt panisch. Noch nie hatte Katarina Panik in seiner Stimme gehört. Sjard schrie noch immer, beruhigte sich nicht. Wieder kam ein dumpfer Aufprall.

Dann erst realisierte die junge Frau das beinahe verrückte Gelächter des Wachmanns. Ihr wurde schlecht, als sie wieder dieses leise Knallen hörte. Knochen schienen zu knacken. Wieder knallte etwas, diesmal mischte sich das Knacken trockener Äste hinzu. Katarina presste sich die Hand vor den Mund, um nicht zu schreien oder sich zu übergeben.

Dann wurde es still. Katarina hörte nur noch ihren Atem.

"Scheiße!", brüllte Hector. "Scheiße! Scheiße! Wieso?"

 

Der Wachmann lachte, ließ den Knüppel gegen die Stangen schwingen, bevor er die Zelle öffnete. Katarina ging ganz langsam zu ihrer Zellentür und schaute vorsichtig in den Gang. Der Ostmann zerrte Sjard aus seiner Zelle. Er war tot, das Gesicht blutig, die Schädeldecke aufgeplatzt. Wasser und Blut tropfte auf seine Kleidung. Wenn Katarina nicht wüsste, dass es Sjard war, dann hätte sie ihren Waffenbruder nicht erkannt. Sein Gesicht war völlig entstellt, zertrümmert und blutverschmiert. 

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