Nordlandsaga Tag 20

Die junge Frau wandte sich ab und presste die Augen zusammen. Er hatte sich das selbst angetan? Wollte er sterben?

Ihre Arme verkrampften sich und sie zitterte. Was war, wenn auch sie den Verstand verlor?

"Lasst nicht zu, dass mir das passiert.", flüsterte Katarina hinter vorgehaltener Hand. Sie zitterte am ganzen Körper, ihr war zum Erbrechen schlecht und abgesehen vom Hunger war sie auch noch todmüde. Sie wollte hier raus. Ihr Gesichtsfeld flackerte an den Rändern schwarz. Das Blut von Sjard schimmerte fast schwarz auf dem Boden, wo er langgezogen worden war. Sie bemerkte Sten, der neben ihr in der Zelle saß und zu ihr reinschaute. Er lächelte kurz, aber es war kein echtes Lächeln, er versuchte sie nur aufzumuntern.

Wieso kam denn Brijnard nicht? Luewenstamm war in der Hand der Ostmänner. Sollte er nicht längst hier sein? So wollte Katarina nicht sterben. Dem Wahnsinn anheimgefallen und sich selbst den Schädel zerschlagend...

Mit schweren Beinen setzte sie sich auf den Boden. Das muffige Stroh und der stinkende Eimer waren längst nicht mehr ihre Sorge.

"He, Vensel.", hörte sie Hectors Stimme. "Vermisst du unsere Wachen auch so sehr wie ich?"

"Und den Eintopf dazu. Wenigstens gab es frische Luft. Und nie etwas zu tun.", murmelte sie als Vensel zustimmend.

Hector lachte einmal. Er klang verbittert. "Wie lange wir wohl schon hier sind?", fragte er weiter. Scheinbar wollte er einfach reden. Aber weder Katarina, noch Sten oder Swert stand der Sinn nach Unterhaltung. Hector gab es auf. Niemand hatte viel Lust, über ihre Situation zu reden. Ändern konnten sie nichts und ihre Wachen angreifen auch nicht. Katarina bezweifelte, dass sie überhaupt die Kraft dazu hatte. Sie mussten nur ausharren. Nur aushalten und nicht den Verstand verlieren.

Katarina war so unglaublich müde. Den Hunger merkte sie kaum noch. Vorsichtig griff sie an ihre Haare. Sie waren schon ein kleines Stück länger. Die eigentlich männliche Frisur wuchs sich langsam heraus. Je länger die Haare wurden, umso offensichtlicher wurde ihre Weiblichkeit. Und die Bandage um ihre Brust hatte Katarina auch seit einer Ewigkeit nicht mehr gewechselt. Sie scheuerte wie verrückt und unter ihrer rechten Achsel hatte es sich bereits entzündet. Und sie stank fürchterlich. Trotzdem wurde ihr Geruch von den anderen überdeckt. Oder glaubte sie das nur?

"Ein Bad wäre schön.", murmelte Katarina ihren Beinen zu.

"Hör dich an, Vensel. Was ist mit den männlichen Gerüchen?", brummte Hector. "Warst wohl noch nie im Feldlager."

"Männliche Gerüche?" Katarina schnaufte einmal. "Hector, du riechst nicht gut, du stinkst so erbärmlich, dass sich sogar Bela abwenden und sogar Bergechsen Reißaus nehmen würden."

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