Nordlandsaga Tag 25

"Hector!", brüllte sie.

Sie erkannte die Verzweiflung des Mannes, der an der Wand saß und sich durch die Haare strich. Er schien innerlich zu fluchen.

"Hector.", flüsterte Katarina, deutete auf den Schlüssel, aber der Mann schüttelte nur den Kopf, legte die Stirn aufs Knie und tat so, als wüsste er von nichts, als zwei Männer hereinkamen, beides Ostmänner in ihren goldenen Rüstungen mit den vielen Tüchern. Katarina drehte sich ebenfalls mit dem Rücken zu ihrer Zellentür und winkelte die Beine an. Keiner der Männer sagte etwas. Katarina versuchte so unschuldig wie möglich auszusehen. Sie leckte sich über die Lippen und drehte nun doch vorsichtig den Kopf. Ihre Zellentür war noch nicht aufgegangen. Sie konnte einen Stiefel sehen, der sich wieder aus ihrem Sichtfeld entfernte. Vorsichtig schaute sie über die andere Schulter. Die beiden Männer hatten sich über ihren bewusstlosen Kameraden gebeugt und versuchten ihn aufzuwecken.

Sie warf Hector einen Blick zu, der auszusehen versuchte, als könne ihn kein Wässerchen trüben. Ihr war klar, dass die Ostmänner nicht dumm genug waren, um zu glauben, das sei ein Unfall gewesen.

Ihr Herz raste und sie drehte den Kopf zu Sten, der auf dem Boden lag und zu ihr schaute. Er bewegte leicht den Kopf, als wollte er nicht, dass sie irgendetwas sagte.

Aus dem Augenwinkel konnte sie sehen, wie einer der beiden Männer von seinem gefallenen Kameraden abließ und den Schlüssel in Augenschein nahm. Katarina schluckte und legte den Kopf auf ihre Beine. Dabei blickte sie zu Hector. Der Mann schien zu Stein geworden zu sein. Er bewegte sich nicht, nur seine Augen zuckten kurz zu Katarina.

Der ältere Ostmann versuchte den Schlüssel zu drehen. Es knarrte nur leise, aber nichts geschah. Die beiden Ostmänner sprachen miteinander. Sie klangen eher ratlos. Der etwas Ältere deutete auf die Treppe, der andere lief davon. Holten sie Verstärkung? Oder jemanden mit mehr Verstand?

Katarina hätte beinahe gelacht, aber presste die Lippen zusammen. Niemand rührte sich in den Zellen. Der andere Fremdling schien seinen bewusstlosen Kameraden aufwecken zu wollen. Er war außer Reichweite von Hector, sonst hätte Katarina wohl den Mann angestiftet, den Ostmann auch umzubringen. Mittlerweile glaubte sie, dass die Wache tot war.

Die Strafe würde grausam sein. Vermutlich war das ihr aller Tod. Aber immerhin konnte Hector noch einen verfluchten Sonnenmann mitreißen. Mit dem Gedanken musste sich Katarina trösten. Der Sonnenmann sagte nichts, bis sein Kamerad mit dem gleichen Mann zurückkam, der auch ihr Anführer zu sein schien. Er plapperte rasch auf ihn ein, die Sprache abgehackt und hart.

Sie konnte förmlich die Anspannung ihrer Brüder spüren. Wie eine Bogensehne, die kurz vor dem Reißen war. Der Anführer nickte mehrfach, schien etwas zu fragen.

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