Das Vermächtnis des Arkhs'hok - Emberal

Jetzt musste sie einmal quer durch die Stadt. Eigentlich hatte sie etwas anderes zu tun. Doch ohne ihren Dolch war es hoffnungslos.

Wehe Magda, wenn sie den Dolch nicht rausrückte. Dann könnte Lisha nichts mehr versprechen.

Jetzt ihre Kapuze aufzusetzen wäre zu auffällig. Wachen waren manchmal dumm, aber eine Gestalt mit Kapuze in der Nacht war einfach aufsehenerregend.

Lisha entschied sich für den längeren Weg um die Kirche und den Marktplatz herum. Einen Priester der Kirche konnte sie ebenso wenig gebrauchen wie eine Wache oder sogar einen Inquisitor beziehungsweise Inquisitorin.

Sie musste dringend den Augenkontakt zu jedem meiden. Eine rothaarige Frau, dessen Gesicht grün und blau war?

Vorsichtig berührte sie ihre Haut an dem geschwollenen Auge und zischte. Verdammt. Ein nasses Tuch würde wahre Wunder wirken.

Egal, erst zu Magda.

Der Geruch nach Fisch drang bereits in ihre Nase. Ob sie es schaffte, heute einen Fisch zu stehlen? Das wäre schön. Oder etwas Gold. Beides wäre Lisha recht.

Auf jeden Fall hatte sie Hunger. Wenn nichts funktionierte, müsste sie zu Bilynn. Und dort dürfte sie sich wieder eine Predigt anhören.

Lisha erreichte die Kais und ging schnurstracks auf das Gebäude zu, in welchem sie Magda das letzte Mal gesehen hatte. Es war ein kleines Lagerhaus, vergleichsweise neu im Gegensatz zu den größeren Häusern in der Gegend.

Die Diebin sammelte sich einen Moment Mut an und öffnete die schwere Holztür zum Lagerhaus. Die Scharniere quietschten laut.

Im Inneren brannten einige Lampen, mehr sah Lisha nicht, als sie von einer starken Hand ergriffen und in das Haus gezogen wurde.

Mehrere Männer und eine Frau starrten Lisha an, hatten ihre Kurzschwerter erhoben und die Frau zielte mit einem Bogen auf sie.

Magda saß mit Anna in der hinteren Ecke, tupfte ihr die Stirn mit einem Tuch ab. Die Magierin schien wieder etwas klarer zu sein, jedenfalls saß sie ohne Hilfe aufrecht.

»Magda!«, rief Lisha und ignorierte die Diebe, die sie bedrohten. Die Anführerin der Diebesbande hob leicht den Kopf, schaute Anna an, sagte etwas und die Magierin nickte sogar.

Magda erhob sich und ging auf Lisha zu. Eine Handbewegung und die Diebe senkten die Waffen, steckten sie aber nicht weg.

»Ich bin hier, um meinen Lohn einzufordern.«, sagte sie hart. Sicher hatte Magda nicht damit gerechnet, Lisha so früh wiederzusehen. Ein Mann lachte, Magda brachte ihn mit einem eisigen Blick zum Schweigen.

»Dein Lohn?« Sie schien zu überlegen. »Ach ja, dein Dolch. Dieses ranzige Ding. Und deswegen bist du hier? Warum sollte ich dich entlohnen? Du hast mich zurückgelassen.«

Sie schien die blauen und roten Flecken zu ignorieren, die Lisha im Gesicht hatte. Lisha ballte die Fäuste und machte einen Schritt nach vorne.

»Zurückgelassen?«, fragte sie wütend. »Sehe ich aus, als hätte ich nicht lieber mit dir in der Scheiße gebadet? Als wäre ich gemütlich da heraus spaziert!«

»Ha, sie badet gerne in Scheiße.«, kicherte die Frau mit dem Bogen. Magda drehte sich halb um, die Sprecherin zuckte zurück.

»Nein«, sagte Magda langsam, schaute wieder Lisha an, »du siehst aus, als hätte dich eine Kutsche überfahren.«

»Und das habe ich gemacht, damit du mit deiner Schwester wegkommst. Ich hätte auch einfach in dieses Drecksloch springen können, aber ich bin gerannt, damit sie mir hinterherrennen.« Lisha ließ den Blick über die Diebe wandern.

»Und nun bedrohen mich deine Leute.«

»Sie beschützen mich.«, korrigierte Magda, machte eine drehende Handbewegung, die Diebe steckten ihre Waffen weg, die Schützin hängte sich ihren Bogen um.

»Also.« Lisha hob eine Augenbraue und streckte die Hand aus. »Meinen Dolch.«

»Komm mit.« Magda drehte sich um, ging wieder zu ihrer Schwester und setzte sich auf den Stuhl. Ein paar leise Worte, Anna nickte wieder langsam. Lisha folgte ihr, ging langsam auf die Magierin zu. Ob Anna wusste, was Lisha getan hatte?

»Wie geht es ihr?«, fragte sie leise.

»Besser.«, nuschelte Anna mit schwerer Zunge. Sie schien immer noch unter dem Einfluss der Drogen zu stehen und klang betrunken.

Lisha nickte. »Das ist gut.«, meinte sie beiläufig und sah wieder Magda an. Die Diebin hielt den Blick auf Anna gerichtet, griff zum Tischchen neben sich und hielt Lishas Dolch in der Hand. Sie drehte ihn nachdenklich.

»Du riskierst dein Leben für diese Waffe. Kaum scharf, viel benutzt. Seltsam.« Magda reichte Lisha den Dolch, zwei Kasar klimperten daneben. »Für deine Mühen.«

Lisha schloss die Hand um das Geld und legte den Dolch wieder an. »Danke.«, brummte sie mürrisch. »Und wenn Anna wieder geschnappt wird, dann wende dich nicht wieder an mich.«

»Ich werde mich an jeden wenden, den ich für fähig genug halte.« Magda schaute Lisha an. »Weißt du, wer sie gefangen hat?«

»Frag doch Anna.«, meinte Lisha grimmig. »Woher soll ich das wissen? Du hast mich in die Scheiße geritten.«

»Sie hat es mir gesagt.« Magda schaute hoch. »Ein Mann mit einem Schwert auf dem Rücken. Ein Fremder.«

Ihr Mund zuckte kurz. »Ja, in die Scheiße geritten. Im wahrsten Sinne. Geh, Lisha. Bevor ich auf die Idee komme, dich anwerben zu wollen. Erneut.«

 

Lisha zuckte mit einer Schulter und wandte sich ab. Das wollte sie wirklich nicht. Denn es würde nur wieder ausarten.

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